Modulares Bauen Teil 3:
Vom Waschbeton zum gedruckten Bauteil: Wie der 3D-Druck das modulare Bauen beflügeln wird

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Modulares Bauen Teil 3:
Vom Waschbeton zum gedruckten Bauteil: Wie der 3D-Druck das modulare Bauen beflügeln wird

Copyright: LenzWerk

Was kann ein 3D-Drucker eigentlich nicht? Vom künstlichen Kniegelenk über Autoersatzteile bis hin zu ganzen Häusern kann alles „gedruckt“ werden. Von den Möglichkeiten des 3D-Drucks kann besonders die Baubranche profitieren – man stelle sich nur einmal die Kosten- und Zeitersparnis vor, wenn die Bauteile direkt auf der Baustelle gefertigt werden können, anstatt sie mühsam zu transportieren.

Der 3D-Druck lässt sich ideal mit dem Ansatz des modularen Bauens kombinieren. Auch Umweltbelastungen wie Lärm und Abfall lassen sich so auf Großbaustellen deutlich reduzieren. Zugleich können die Baukosten durch Standardisierung, Vorfertigung und Prozessoptimierung deutlich gesenkt werden. Doch erst der 3D-Druck, der auch am Bauplatz selbst eingesetzt werden kann, verspricht individuelle Bauformen bei kurzer Herstellungsdauer und niedrigen Baukosten.

Von einer Schicht zur nächsten, bis zum fertigen Haus

Doch wie entsteht ein 3D-gedrucktes Haus? Ein eigens dafür entwickelter Kranroboter sprüht in Drehbewegungen, Schicht für Schicht eine Betongemisch auf, bis die gewünschte Form erreicht ist. Wände entstehen so in wenigen Stunden und können weiter ausgebaut werden. Der Vorteil der Druckprozesses ist: Es kann direkt vor Ort gedruckt werden, Vorfertigungs- und Transportkosten fallen weg. Gearbeitet wird meist mit innovativen Materialien. Die TU Dresden arbeitet aktuell an einem druckbaren Schaumbeton, der verbesserte Wärmedämmeigenschaften besitzt. All zu hoch kann jedoch noch nicht gebaut werden. Nach dem aktuellen Stand der Technik sind die meisten Häuser aus dem 3D-Drucker bislang eingeschossig, zukünftig sollen auch mehrgeschossige Häuser gebaut werden können.

Ein Quadratmeterpreis von 260 Euro im Neubau?

Der 3D-Druck überzeugt nicht nur durch seine Schnelligkeit, sondern auch durch die geringen Kosten. In Nantes wurde von einer Baufirma in nur 18 Tagen ein 95 Quadratmeter großes Haus „gedruckt“. Vier Schlafzimmer, Küche, Bad und Garten ­– die Gesamtkosten beliefen sich auf 196.000 Euro. Somit ist das Haus im Vergleich zur traditionellen Bauweise um 20 Prozent günstiger. Zukünftig versprechen sich die Experten sogar eine Kostenersparnis von bis zu 40 Prozent. Diese Kostenreduktion birgt ein enormes Potenzial für Neubauprojekte: Neuer Wohnraum wird zwar dringend benötigt, doch besonders im Neubau gibt es hohe Quadratmeterpreise von bis zu 3.000 Euro. Durch den 3D-Druck könnte sich das ändern. Ein Bauprojekt der Firma Apis Cor erreicht durch den Einsatz eines 3D-Druckroboters einen Neubau-Quadratmeterpreis von circa 260 Euro – natürlich ohne Grundstückskosten.

Bis die 3D-Druckverfahren in der der hiesigen Baubranche voll angekommen sind, wird es noch etwa zehn Jahre dauern, so die Schätzung von Experten. Doch nicht alle Gebäude werden zukünftig gedruckt sein – der 3D-Druck wird den klassischen Hausbau nicht zur Gänze ablösen können. Vielmehr ist davon auszugehen, dass Gebäude dann gedruckt werden, wenn der traditionelle Bauprozess zu komplex wird. Ich bin daher der Auffassung, dass sich vor allem aus den Mischformen perspektivisch neue Bauweisen und vielleicht sogar neue Immobilienkonzepte ergeben werden, die mit den klassischen Methoden so nicht umsetzbar sind.