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Stadtporträt Berlin: Sexy, nicht arm!

Berlin | Oberbaumbrücke

Foto: lassedesignen | ClipDealer

Das Motto „Arm, aber sexy“ prägte die Hauptstadt für eine lange Zeit. Inzwischen erlebte Berlin jedoch einen in ganz Deutschland besonderen wirtschaftlichen Aufschwung, der die Stadt zu einem attraktiven Investmentstandort hat werden lassen. In den vergangenen fünf Jahren lag das jährliche Wirtschaftswachstum bei 3,6 Prozent.

Ausgehend von den guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hat auch der Immobilienmarkt profitiert, sei es durch die steigende Nachfrage nach Büroflächen oder den Bedarf an Wohnraum aufgrund der wachsenden Bevölkerungszahlen. Zudem boomt der Berliner Tourismus – abgesehen natürlich von den gegenwärtigen Einschränkungen durch COVID-19. Es dürfte wohl der Mix aus Kiez, Kultur und Kreativität sein, der jährlich eine Vielzahl von Besuchern in die Spreemetropole lockt. Die Zahl der Übernachtungen hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt, allein im ersten Halbjahr 2018 stieg sie auf 6,7 Millionen an, ein Wachstum von 6,4 Prozent.

Seit Ende Februar 2020 gilt in Berlin der Mietendeckel, wobei zum jetzigen Zeitpunkt nicht abzusehen ist, welche konkreten Konsequenzen sich in Verbindung mit möglichen wirtschaftlichen Verwerfungen durch die Pandemie ergeben. Es ist jedoch davon auszugehen, dass schärfere Regularien wie der Mietendeckel durchaus weitreichende Folgen für den Berliner Immobilienmarkt haben können. So ist beispielsweise zu beobachten, dass in der Hauptstadt Sanierungsmaßnahmen von Eigentümern weitestgehend zurückgefahren wurden, was mitunter das Risiko birgt, dass die Bestände langfristig Schaden nehmen könnten. Hierzu bleiben die Entwicklungen abzuwarten.

Start-up-Metropole Berlin

Wer auf den Berliner Immobilienmarkt blickt, sieht, dass die deutsche Hauptstadt zu Beginn des neuen Jahrzehnts nicht nur zu den international führenden Gründungszentren neben Silicon Valley, London und New York gehört. Berlin steht zudem an der Schwelle, zu einem internationalen Standort für Wissenschaft, Medizin und Forschung zu werden. Darüber hinaus ist es die einzige deutsche Stadt, die international als Weltstadt wahrgenommen wird.

Die positive Entwicklung spiegelt sich in den wichtigen Kennzahlen der Immobilienmärkte im Vorfeld der COVID-19-Pandemie. So zeigt sich, dass Berlin bundesweit in den zurückliegenden zehn Jahren mitunter den höchsten Anstieg der Nettokaltmiete verbuchte. Während diese 2005 durchschnittlich bei 4,49 Euro pro Quadratmeter lag, befand sie sich 2019 bei 6,72 Euro pro Quadratmeter – ein Plus von rund 92 Prozent. Derzeit beträgt die Preisspanne in attraktiven Lagen bei Bestandsobjekten in der Wiedervermietung 14,00 bis 22,00 Euro und bei Neubauprojekten 18,00 bis 25,00 Euro pro Quadratmeter. Ebenfalls angestiegen ist die Zahl der Baufertigstellungen, die sich seit 2006 durchweg positiv entwickelt hat. Im Vergleich zu 2006 hat diese sich im Jahr 2018 mit 16.706 Fertigstellungen mehr als vervierfacht. Im Allgemeinen hat sich die Neubautätigkeit in Berlin stark ausgeweitet und beschränkt sich nicht mehr nur vorrangig auf die zentralen Lagen der Stadt.

Gute Rahmenbedingungen für Immobilieninvestitionen

Gegenüber den anderen Top-7-Städten wie Hamburg, München oder Frankfurt am Main befinden sich die Preise für Wohnimmobilien in Berlin auf einem niedrigeren Niveau. Infolge der Entwicklungen in den vergangenen Jahren ist Berlin jedoch dabei, zu einer der wachstumsstärksten und lebendigsten Metropolen Europas zu werden. Berlin ist zugleich Touristenmagnet, Start-up-Metropole – und vor allem: eine Stadt im Wandel. Stadtteile, die früher aufgrund ihres negativen Rufs gemieden wurden, haben eine umfassende Veränderung erlebt und gehören heutzutage zu den begehrtesten Wohnlagen Berlins. Das wohl bekannteste Beispiel stellt der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg dar, der bis vor einigen Jahren mit starken Imageproblemen zu kämpfen hatte. Inzwischen gilt er als Szenebezirk, in dem Quadratmeterpreise zwischen 6.250 und 10.500 Euro für eine gepflegte Eigentumswohnung im Altbau nicht unüblich sind. Zwar bleibt abzuwarten, wie sich das Corona-Virus konkret auf die Preisentwicklung und Baufertigstellungszahlen 2020 auswirken wird, aber die langfristigen Megatrends sprechen eindeutig für Berlin und die neuen Szenekieze.