Smart Contracts – werden die „schlauen“ Verträge die Immobilienbranche revolutionieren?

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Smart Contracts – werden die „schlauen“ Verträge die Immobilienbranche revolutionieren?

Transparenz und Verifizierbarkeit – das sind die beiden wichtigen Versprechen der Blockchain-Technologie. Die Manipulationssicherheit der Blockchain sorgt dafür, dass nicht nur Transaktionen hinterlegt werden können, sondern ebenfalls das dazugehörige Vertragswerk. Diese Grundlage ermöglicht es auch, die Verträge selbst zu revolutionieren: Bei sogenannten Smart Contracts handelt es sich um webbasierte Computerprotokolle, die den klassischen Vertrag mit Papier und Tinte bald ersetzen könnten.

Bei einem Smart Contract handelt es sich nicht bloß um die digitalisierte Version eines Blankovertrags – diese gibt es schließlich in Form von PDFs seit den frühen 90er Jahren. Stattdessen sorgt eine künstliche Intelligenz (KI) dafür, dass die Verträge nicht nur abgebildet, sondern auch angepasst werden. Dabei wird automatisch überprüft, ob die Vertragspartner ihre Pflichten einhalten. Bereits jetzt wird diese Art von Vertrag im Bereich des Carsharings angewendet. Nähert man sich dem Fahrzeug und bucht es mit seinem Smartphone, wird diese Information in der Blockchain hinterlegt. Das Schloss öffnet sich und der Carsharing-Anbieter erfüllt seine Vertragspflicht automatisch.


Das Ende der Grundbuchämter?

Das Potenzial dieser Technologie für die Immobilienwirtschaft ist enorm. Die Anwendung von Smart Contracts könnten auch hier das Vertragswesen revolutionieren. Ähnlich wie beim Carsharing ist es möglich, beispielsweise Coworking Spaces auf diese Weise punktgenau und ohne viel Bürokratie anzumieten.

Die größten Vorteile dürften sich allerdings bei der Immobilientransaktion ergeben. Dadurch, dass der zwischen den Parteien geschlossene Vertrag transparent in der Blockchain hinterlegt ist, fällt die Notwendigkeit weg, die Dokumente notariell beglaubigen und das neue Eigentumsverhältnis ins Grundbuch eintragen zu lassen. Auf diese Weise entsteht nicht nur ein immenser Zeitvorteil, es fallen auch die Kaufnebenkosten für Notar und Grundbucheintragung weg – die immerhin rund zwei Prozent des Immobilienwertes betragen.


Georgien und Schweden haben die Weichen bereits gestellt

Ein Vorreiter in Sachen Smart Contracts und Blockchain in der Immobilienwirtschaft findet sich am Schwarzen Meer. Weltweit ist Georgien das erste Land, welches sein Grundbuch auf die Blockchain-Technologie umgestellt hat. Einer der Beweggründe dafür war, die Korruption innerhalb der Behörden zu bekämpfen und für ein höheres Maß an Transparenz zu sorgen. Mit Erfolg: Die Maßnahme half dabei, das Vertrauen der Bürger in die Regierung zu erhöhen. Auch in Schweden wurde der Schritt zur Blockchain bereits vollzogen. Dort ist es allein der progressiven Haltung des Regierungsapparates zu verdanken, dass ein derartiges Pilotprojekt auf fruchtbaren Nährboden trifft.

Und genau hier liegt das Problem der deutschen Legislative: Der Einsatz zukunftsweisender Technologien scheitert hierzulande oft weder an der Technik noch an einer etwaigen Skepsis der Anwender – sondern allein an der Rechtslage. Auch beim Thema Smart Contracts ist daher ein Umdenken wichtig. Zumal es sich bei den „schlauen“ Verträgen nicht um eine eigenständige Vertragsart im Sinne des BGB handelt, sondern um eine neue Form der Aufzeichnung bekannter Vertragstypen. Der springende Punkt ist also vielmehr die Frage, inwieweit Verträge digital geschlossen und hinterlegt werden dürfen.