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Microliving – so vielfältig ist „Wohnen auf Zeit“

An urban bicycle in a hipster living room interior with a big desk and computer in the workspace area and wooden furniture with industrial elements

Foto: bialasiewicz | ClipDealer

Wohnen, so flexibel wie der eigene Lebensstil – was früher kaum möglich war, muss heutzutage keine Wunschvorstellung mehr sein. Denn mit den sogenannten Microliving-Konzepten sollen sich Wohnungen an die Lebensstile der heutigen Gesellschaft anpassen. Doch Mikrowohnen ist nicht gleich Mikrowohnen, die Bandbreite reicht vom möblierten Apartment bis zum Betreibermodell.

Je nach Bedarf „ohne Service“ oder mit „Full Service“

Das bekannteste Microliving-Konzept ist das der sogenannten Mikroapartments. Bei den zentral gelegenen Immobilien fällt die Wohnfläche mit 20 bis 35 Quadratmetern vergleichsweise gering aus, trotzdem bieten Mikroapartments ihren Bewohnern dieselbe Ausstattung wie eine klassische Zwei-Zimmer-Wohnung: Die Apartments sind mit einem Schlaf- und Wohnbereich, einem Badezimmer und einer kleinen Küchenzeile voll möbliert. Meist stehen im Gebäude auch Coworking-Flächen zum gemeinsamen Arbeiten sowie weitere Gemeinschaftsflächen wie beispielsweise eine Sonnenterrasse zur Verfügung. Mit einer Mietdauer ab sechs Monaten sind Mikroapartments besonders bei Neuankömmlingen mit Budget beliebt. Ein bekanntes internationales Beispiel für Mikroapartments ist das „Carmel Place“ in Manhattan, New York. Dort sind 55 Kleinstwohnungen in zehnstöckiger Modulbauweise im Jahr 2016 entstanden.

Zuhause auf Zeit: „Boardinghouses“ und „Aparthotels“

Die sogenannten Boardighouses oder Apartmenthäuser mit 25 bis 40 Quadratmeter Wohnfläche werden meist von Berufstätigen angemietet, wenn diese einem Jobangebot in eine neue Stadt folgen. Die Apartments sind voll ausgestattet und für eine mittelfristige Mietdauer von 28 Tagen bis zu acht Wochen ausgelegt. Limited Services, wie eine Rezeption oder ein Reinigungsservice, sind meist stundenweise vorhanden beziehungsweise buchbar. Boardinghouses sind übrigens auch bei Urlaubern für längere Aufenthalte sehr beliebt, da sie spontane Buchungen erlauben. Auch in Deutschland realisieren Unternehmen Boardinghouses: Die LenzWerk development wird 2020 mit dem Bau eines Boardinghouses in Berlin-Hellersdorf beginnen. Zudem existieren Microliving-Konzepte wie Aparthotels, die auf eine kurzfristige Mietdauer von wenigen Tagen ausgerichtet sind. Dort kann man sich wie zu Hause fühlen und dabei denselben Service wie in einem Hotel in Anspruch nehmen. Zusatzleistungen können je nach Bedarf dazu gebucht werden; Langzeitgäste erhalten bei manchen Anbietern beispielsweise Sonderleistungen wie einen Einkaufsservice. Egal ob Micro-Studentenwohnung oder Serviced-Apartments – die Microliving-Konzepte bieten nicht nur unterschiedlichen Zielgruppen ein Zuhause auf Zeit, sondern wirken auch der Flächenknappheit in den deutschen Großstädten entgegen. Dort, wo Bauland rar und Wohnen teuer geworden ist, kann der Microliving-Trend Wohnraum für viele schaffen, gleichzeitig müssen Mieter keine Abstriche in puncto Komfort oder Service machen. Ich bin überzeugt, dass – ganz wie beim Coworking – in den kommenden Jahren zahlreiche weitere Konzepte für neue Zielgruppen entstehen. Meist wird bei Microliving-Konzepten auf die Klimafreundlichkeit der Bauprojekte geachtet. Zusätzlich sind die Apartments so konzipiert, dass auch die späteren Bewohner energiesparend wohnen.