Künstliche Intelligenz oder Excel-Tabelle? So weit ist die Immobilienbranche tatsächlich in Sachen Digitalisierung

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6. September 2018

Künstliche Intelligenz oder Excel-Tabelle? So weit ist die Immobilienbranche tatsächlich in Sachen Digitalisierung

Wenn es um den Ist-Stand bei den zentralen Digitalthemen geht, zeigt sich die Immobilienbranche gespaltener denn je: Die einen beschweren sich, dass nach wie vor zu wenig getan beziehungsweise investiert wird. Die anderen warnen hingegen davor, nicht blindlings jeden kurzlebigen digitalen Trend mitzugehen. Aber wie weit ist die Branche nun tatsächlich? Dieser Frage widmete sich jüngst eine Umfrage der Altus Group. Der kanadische Immobiliendienstleister hatte hierzu weltweite Führungskräfte aus dem Segment der Gewerbeimmobilien befragt. Die Erkenntnis: Die meisten Immobilienunternehmen befinden sich in einer Zeit des Umbruchs.

Altes und Neues stehen nebeneinander

Den Umfrageergebnissen zufolge setzt ein Großteil der Immobilienunternehmen bereits moderne integrierte IT-Systeme für die eigenen Prozesse ein. Zudem wurde die Relevanz von Anwendungen auf Basis der künstlichen Intelligenz (KI) als entscheidender Faktor erkannt. Problematisch wird es jedoch dadurch, dass die alten Gewohnheiten erst nach und nach aufgegeben werden – allen voran die gefürchtete Excel-Tabelle. Sei es zur Berichterstattung, für Analysen und Bewertungen oder auch für Prognosen: Überall kommt die klassische Tabellenkalkulation zum Einsatz. Es werden also oftmals gleichzeitig mehrere Systeme eingesetzt, weshalb es häufig zur doppelten Buchführung kommt oder ein eigentlich besseres Tool nicht vollumfänglich genutzt wird. Das sorgt im besten Fall für nervige Mehrarbeit und im schlimmsten Fall für Chaos. Eine solche Herangehensweise kann für Frust bei den Mitarbeitern sorgen und letztlich die digitale Transformation des Unternehmens mehr behindern als fördern. 

PropTechs als Entscheidungsfaktor

Gleichzeitig zeigen die Umfrageergebnisse, dass sich immer mehr etablierte Immobilienunternehmen an PropTechs beteiligen. 53 Prozent der befragten Experten gaben an, in mindestens ein Start-up mit Immobilienbezug zu investieren. Das zeigt, wie sehr PropTechs und ihre innovativen Lösungsansätze inzwischen zur digitalen Transformation der Immobilienbranche beitragen. Diese Ergebnisse sind aber auch für PropTechs äußerst aussagekräftig: Inzwischen können sich meiner Erfahrung nach Wachstumsunternehmen mit einer zukunftsstarken Geschäftsidee den Investor in vielen Fällen aussuchen. Und falls der Investor nicht den eigenen Vorstellungen entspricht, sollten sich junge Gründer trauen, nein zu sagen. Denn es lohnt sich, auf einen Investmentpartner zu warten, der nicht nur das Kapital, sondern auch das nötige Know-how mitbringt und gut in der Immobilienbranche vernetzt sind.

Fazit: Redet miteinander! 

Die Umfrageergebnisse der Altus Group geben einen weltweiten Überblick über die Entwicklung der Branche. In Deutschland sehe ich vor allem die Hürden noch stärker ausgeprägt als die Fortschritte. Häufig halten deutsche Immobilienunternehmen lieber am Status quo und damit auch an der Excel-Tabelle fest, anstatt Neues zu wagen. Hinzu kommt eine konservative Gesetzgebung, beispielsweise im Hinblick auf den Datenschutz und die Rechtsverbindlichkeit von Online-Verträgen. Umso wichtiger ist es, dass alle wichtigen Akteure in den gemeinsamen Dialog treten: Etablierte Immobilienunternehmen und PropTechs – genauso wie die Digitalisierungsexperten der Immobilienwirtschaft mit den Vertretern aus Politik und Justiz. Nur auf diese Weise kann Deutschland sein internationales Digitalisierungsdefizit aufholen.