Gamification und Incentives – wie sich Städte spielerisch gestalten lassen

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Gamification und Incentives – wie sich Städte spielerisch gestalten lassen

Ufa, Russia - 27 February, 2016: The new Sony Dualshock 4 with PlayStation 4. Sony PlayStation 4 game console of the eighth generation.

Foto: samsonovs | ClipDealer

Spielerisches Lernen durch digitale „Stadtspiele“ – das ist das Ziel von Stadtentwicklern, wenn sie auf Strategien wie Gamification und Incentives zurückgreifen. In bewusst spielfremden Kontexten werden kommunikative Mittel und Spiele eingesetzt, um planerische Prozesse zu vereinfachen oder diese spannender zu gestalten. Auch bei Themen wie Mobilität, Gesundheit und Recycling wird auf Games gesetzt, die Menschen zu neuen Handlungsmuster bewegen sollen. Doch wie funktioniert das genau?

„Serious Games“, Simulationen und Highscores

Gamification arbeitet meist mit sogenannten Serious Games, die nicht nur informieren und bilden, sondern zugleich öffentliche Räume beleben sollen. Typische Spielelemente sind Simulation- und Rollenspiele, Highscores, Fortschrittsbalken, Ranglisten oder Auszeichnungen. Diese werden besonders gerne bei Themen wie Mobilität und Verkehr eingesetzt: Die Fahrrad-App „Strava“ dient beispielsweise als soziales Netzwerk und soll Menschen motivieren, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu kommen. Die zurückgelegten Strecken lassen sich analysieren und mit Freunden und Arbeitskollegen vergleichen. Aktivitäten können geliked und von Followern kommentiert werden und sollen so zum Weitermachen motivieren.

Ein anderes Beispiel ist das Londoner U-Bahn-Spiel „Chromaroma“: Mit der Oyster Card, der digitalen Fahrkarte Londons, soll so der tägliche U-Bahn Weg zum Spiel werden. Die Nutzer loggen sind über die Daten der Oyster Card oder des lokalen Fahrradverleihs ein und können einem von vier Teams beitreten. In unterschiedlichen Missionen müssen die Nutzer Routen abfahren oder Stationen ansteuern und können so mit anderen Teams konkurrieren. Der öffentliche Verkehr, abseits vom notwendigen Berufsverkehr, wird auf diese Weise zum urbanen Gesellschaftsspiel und soll für Nutzer an Attraktivität gewinnen.

Abseits von digitalen Spielen werden auch spielerische Simulationen angewendet. Mit der App „Mein Alex“ konnten Nutzer den Berliner Alexanderplatz nach den eigenen Wünschen virtuell neugestalten. Gebäude ließen sich einfach „verschieben“ oder auf Knopfdruck „hochziehen“. Ziel der App-Entwickler war es, die Nutzer spielerisch für Bürgerbeteiligungsprojekte zu begeistern.

Incentives – mit recyceltem Plastikmüll zu realen Belohnungen

Spiele und Incentives können dabei unterstützen, Menschen sogar für eher unliebsame Themen wie Recycling zu begeistern. Ein Beispiel ist das Amsterdamer Projekt „Wasted“, das auf einem Belohnungssystem basiert: Die Bürger erhalten im Austausch für jede entsorgte Tüte Plastikmüll eine virtuelle Währung. Mit dieser können sie im Café nebenan, die Fahrradreparatur oder sogar den Einkauf im Supermarkt bezahlen. Aus dem gesammelten Plastikmüll werden nach dem Konzept des Upcyclings Outdoor-Möbel hergestellt.

Mein Fazit: Gamification und Incentives können unser Handeln dort prägen, wo es ansonsten Verbote tun würden. Darin verbirgt sich großes Potenzial, jedoch müssen Gamification-Anwendungen neben einem interaktiven auch einen gesellschaftlichen Mehrwert bieten, um langfristig zu begeistern.