Du liebst mich, du liebst mich nicht: Warum Unternehmen die Innenstädte verlassen

Blogserie Smart Home – Komfort und Energieersparnis mit Smart Buildings
19. Februar 2021

Du liebst mich, du liebst mich nicht: Warum Unternehmen die Innenstädte verlassen

Foto: noelsch | Pixabay

In den Großstädten der USA tut sich Erstaunliches: Immer mehr große Konzerne kündigen an, Großstädte wie New York City oder Los Angeles verlassen und in kleinere Städte ziehen zu wollen. Doch warum ist das so? Außerdem stellt sich die Frage, ob sich dieser Trend auch in Deutschland etablieren wird. Denn häufig verrät der Blick in die Vereinigten Staaten auf der anderen Seite des Atlantiks einiges über zukünftige Arbeitsformen im urbanen Raum. Werden also bald auch hierzulande große Unternehmen die Zentren von Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg oder München verlassen?

Digitalisierung und Dezentralisierung des Arbeitsplatzes

Hohe Steuern, teure Mieten, hinzu kommen eine hohe Kriminalitätsrate und wenig soziale Infrastruktur wie Betreuungseinrichtungen für Kinder – die Gründe für die Stadtflucht sind unterschiedlich, die Folge ist jedoch immer die gleiche: Konzerne verschlägt es aus den Central Business Districts der Metropolen nach Tampa Bay oder in die ländlichen Regionen von Texas. Der Bundesstaat Texas ist ein beliebtes Ziel, da dort die Einkommensteuer entfällt. Das spart großen Unternehmen enorm viel Geld. Außerdem locken die Städte und Bundesstaaten aus der zweiten Reihe mit vergleichsweise niedrigen Mieten, einer geringen Kriminalitätsrate und einem entschleunigten Alltag, was vor allem für die Mitarbeiter von großer Bedeutung ist.

Denn nicht nur die Standortpräferenzen der Konzerne, auch die Arbeitsplatzstrukturen verändern sich rasant. Statt täglich in die Großraumbüros der großen zentralen Bürogebäude zu pendeln, dezentralisiert sich die Arbeit zunehmend. Mitarbeiter können mit ihren Notebooks von zu Hause, in Shared-Offices oder im Café arbeiten. Die einzige Bedingung: Ein leistungsfähiger Laptop und eine stabile Internetverbindung, die den Zugriff auf die Cloud des Arbeitgebers ermöglicht. Das Arbeiten wird also nicht nur dezentraler, sondern auch zunehmend digitaler. 

Die Zukunft der deutschen Innenstädte

Wie könnte das Modell der zukünftigen Arbeitsstruktur hierzulande aussehen? Das weltweit grassierende Coronavirus hat vielen Menschen hierzulande vor Augen geführt, dass der tägliche Gang ins Büro nicht immer – zumindest nicht jeden Tag – nötig ist. Viele Menschen hat es ohnehin schon aufgrund der Wohnungsknappheit und Mietpreishöchststände in die Randbezirke der Städte mit ihren typischen Vorstadtlagen gedrängt. Erweist sich der Trend zum dezentralen Arbeiten als dauerhaft, könnte das das Gesicht unserer (Büro-)Städte grundlegend verändern. Wenn ein Großteil der Büros in die umliegenden Regionen verlagert werden würde, könnte damit nicht nur viel Miete eingespart werden, sondern Mitarbeiter könnten Wohnen und Arbeiten viel effizienter miteinander verbinden. So könnten außerdem lange Arbeitswege, Staus in den Innenstädten und die enorme Clusterung von Bürogebäuden verhindert werden. Kleine Zentralen könnten jedoch weiterhin in den Innenstädten existieren, um von dort die kleinen Büros in der peripheren Umgebung, Shared-Offices und Mitarbeiter in den Homeoffices zu steuern und zu koordinieren. Riesige Unternehmenszentralen wie die der Deutschen Bahn am Potsdamer Platz und große Ankermieter würden jedoch der Vergangenheit angehören. Das würde vor allem den Mitarbeitern entgegenkommen, da flexible Arbeitsplatzstrukturen gefragter sind denn je.