Das digitale Auge – wie Drohnen die Immobilienwelt verändern können

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25. Oktober 2018

Das digitale Auge – wie Drohnen die Immobilienwelt verändern können

Schnell, wendig und vielseitig: Drohnen werden in immer mehr Branchen eingesetzt. Die unbemannten Luftfahrzeuge liefern Medikamente in entlegene Regionen, vermessen ganze Landstriche und liefern beeindruckende Filmaufnahmen für Fernsehen und Kino. Aber auch die Immobilienbranche wird von den Einsatzmöglichkeiten zukünftig noch viel stärker profitieren.

Wenn es um die Vermarktung von Immobilien geht, zählt der erste Eindruck mehr als alles andere. Das gilt für Privatkunden genauso wie für Unternehmen auf der Suche nach einer geeigneten Gewerbefläche. Mit modernen Stereokameras ausgerüstete Drohnen liefern hochauflösende 360-Grad-Luftaufnahmen des gesamten Objekts. Diese Bilder oder Videos aus der Vogelperspektive bieten einen wichtigen Mehrwert: Erstens sorgen sie dafür, dass sich das eigene Angebot angesichts der Angebotsflut von Online-Exposés von der Konkurrenz abhebt, zweitens zeigen sie die Besonderheiten der jeweiligen Mikrolage auf und geben Aufschluss über Zufahrtswege, Begrünung sowie über weitere wichtige Merkmale. Und drittens verschaffen sie dem Betrachter eine zusätzliche Perspektive, die er auch während einer Begehung nicht mit eigenen Augen sehen kann.

 

Die Drohne wird zur Digitalisierungs-Schnittstelle

Es wäre jedoch zu kurz gegriffen, Drohnen lediglich als Marketinginstrumente zu betrachten. Auch in der Immobilienbewirtschaftung bieten sie zahlreiche Möglichkeiten: Bereits jetzt werden Drohnen im Facility Management eingesetzt, beispielsweise zur Sicherheitsüberwachung, oder um Schäden an der Bausubstanz festzustellen. Doch das ist erst der Anfang. Ihre Bedeutung im digitalen Strukturwandel der Branche kann meiner Ansicht nach nicht zu hoch eingeschätzt werden.

Zukünftig werden wir erleben, dass die Immobilie selbst noch viel stärker digitalisiert wird, als es momentan der Fall ist: Bei der Grundrisskonfiguration werden in einigen Jahren Technologien auf Basis von Building Information Modeling (BIM) flächendeckend zum Einsatz kommen – wie es beispielsweise in Asien bereits jetzt der Fall ist. Zudem werden verstärkt Sensoren verbaut, die neben Parametern wie der Temperatur oder der Luftfeuchtigkeit auch das tatsächliche Nutzungsverhalten und die Aufenthaltsdauer auf den einzelnen Flächen messen. Eine solche smarte Immobilie ist nichts anderes als ein Netz von Datenpunkten, das unablässig Informationen generiert und weitergibt. Der Drohne kommt hierbei eine wichtige Schnittstellenfunktion zwischen der analogen und der digitalen Welt zu. Bei Projektentwicklungen haben die Verantwortlichen beispielsweise die Möglichkeit, die Baustelle exakt zu vermessen und die Soll-Daten der Pläne mit dem Status quo abzugleichen.

Aber auch für den laufenden Betrieb ergeben sich Vorteile. So kann beispielsweise bei Schneefall ein Sensor die exakte Schneelast auf dem Dach eines Gebäudes messen. Sobald ein gewisser Wert überschritten wird, sendet der Sensor ein Signal an eine Drohne – die wiederum automatisch aufsteigt und eine millimetergenaue Aufnahme anfertigt. All diese Daten und Bilder werden dem Facility Manager oder auch dem Statiker übermittelt, der daraufhin unverzüglich und auf empirischer Datenbasis die nötigen Maßnahmen einleiten kann. Und es spricht nichts dagegen, dass in Zukunft Drohnen entwickelt werden, die den Schnee selbst beseitigen.

Skeptiker könnten an dieser Stelle einwerfen, dass solche Anwendungen stark nach Zukunftsmusik klingen. Für mich steht jedoch fest, dass Drohnen und interaktive Kameras ein wichtiger Schlüssel zur Digitalisierung – und somit ein entscheidender Wachstumstreiber für die Branche sind. Und genau wie bei zahlreichen anderen Digitalisierungsfragen kratzen wir aktuell erst an der Oberfläche dessen, was durch den Einsatz von Drohnen tatsächlich möglich ist.