Covid-19 – Berlins Start-up-Spirit ist ungebrochen

Smart Cities auf dem Prüfstand
12. Oktober 2020

Covid-19 – Berlins Start-up-Spirit ist ungebrochen

Pretty young woman and group business people have a meeting and working in the office and wear mask as protection from corona virus

Foto: boggy22 | ClipDealer

Dass Berlin nicht nur deutschlandweit, sondern auch international gesehen ein führender Hotspot für Start-ups ist, zeichnet sich bereits seit Längerem ab. Zahlen zu den Finanzierungsrunden, die in der Gründerszene einen besonderen Kennwert bilden, zeigen das ganze Ausmaß des Wachstums: Mit 3,5 Milliarden Euro, die in Start-ups allein im Jahr 2019 investiert wurden, und rund 40 Neugründung pro Woche hat sich die Hauptstadt im europaweiten Vergleich einen festen zweiten Platz gesichert. Was genau macht die Anziehungskraft Berlins für so viele Gründer eigentlich aus – und welchen Einfluss hat die Covid-19-Pandemie angesichts dieser Lage?

Der ideale Nährboden für junge Unternehmer

Während noch vor einigen Jahren größtenteils in den Zentrallagen Berlins gegründet wurde, beispielsweise in Kreuzberg oder Mitte, – in der Gründerszene auch als ‚Silicon Allee‘ – bekannt, sind es heutzutage verschiedenste Stadtviertel, unter anderem in Randlagen, die für die Jungunternehmer infrage kommen. Eine gute Lage muss für Gründer eben nicht immer der klassische „Central Business District“ mit schicken Bürotürmen sein. Stattdessen siedeln sie ihre Unternehmen viel lieber dort an, wo sie selbst auch gerne leben.

Das berühmte kalifornische Tech-Cluster Silicon Valley hat in den vergangenen Jahrzehnten vorgemacht, wie sehr Unternehmen von Synergieeffekten profitieren, wenn sie sich in direkter Nähe und im Austausch befinden. Auch in Berlin lassen sich dahingehend enorme Potenziale erkennen. Neben Vorteilen, die sich aus der Infrastruktur und einem dynamischen Image ergeben, ist es die Möglichkeit des Netzwerkens, die in der deutschen Hauptstadt einmalig ist. Unzählige Gründer, Geldgeber und Experten treffen in Cafés, Think-Tanks oder auch Coworking-Spaces aufeinander, tauschen sich aus, suchen nach neuen Geschäftsideen und erhalten so Zugang zu weiteren Netzwerkpartnern und -möglichkeiten.    

Trotz Corona – gute Ideen zu haben, zahlt sich aus

Keine Frage, die Corona-Pandemie hat hinsichtlich der Berliner Start-up-Kultur ihre Spuren hinterlassen. Die Hauptstadt-Szene hat diesen Schock im bundesweiten Vergleich aufgrund der gut ausgebauten Infrastruktur für Förderung und Finanzierung aber denkbar gut weggesteckt. So stieg in Berlin 2020 im Vorjahresvergleich die Zahl der Investitionsrunden für Unternehmensgründungen um 14 Prozent an, wenngleich die ganz großvolumigen diesmal ausblieben. Auch die Bundesregierung hat verstanden, wie wichtig Berlins Start-up-Kultur ist und dementsprechend die Förderung von Start-ups in der Krise verdreifacht sowie 100 zusätzliche Stipendien für Gründerinnen und Gründer vergeben. Zwar werden sich die langfristigen Folgen erst in den kommenden Monaten abzeichnen. Bereits jetzt ist aber erkennbar, dass innovative Geschäftsideen auch in Zukunft gerne finanziert werden, wobei Investoren aktuell vermehrt auf Qualität setzen und bei zu großem Risiko nachvollziehbarerweise etwas vorsichtiger agieren. Mein Fazit: Anders als in anderen Bundesländern befindet sich Berlins Start-up-Szene in keiner Schockstarre, sondern vielmehr im Umbruch – eine Entwicklung, der in diesen schwierigen Zeiten viel Positives abgewonnen werden kann. So hat das ohnehin schon große Interesse an innovativen Technologie-Geschäftsmodellen trotz Corona noch zugenommen. Vor allem die Segmente Biotech, Medtech, Analytics und KI profitieren aktuell immens, während die Zahl der Deals bezüglich Gesundheits-Start-ups sogar um 30 Prozent gestiegen ist. Grund genug für Gründer, die Hauptstadt sowohl jetzt als auch nach Corona noch zu lieben.