Biophilic Design – warum der Arbeitsplatz zum Wohlfühlraum werden sollte

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Biophilic Design – warum der Arbeitsplatz zum Wohlfühlraum werden sollte

Kuala Lumpur, Malaysia - October 22, 2017: Panoramic and perspective wide angle view of steel and glass city buildings with clear sky and green background . Kuala Lumpur , Malaysia .

Foto: jamesteohart | ClipDealer

Mittwochabend, zwanzig vor sechs: der zu kleine Schreibtisch quillt über mit Akten, Prospekten und To-Do-Listen, der Computerbildschirm ist vor lauter Klebezetteln kaum noch erkennbar und die anstehenden Feierabendpläne müssen wieder verschoben werden, weil überraschend noch eine Präsentation für morgen vorbereitet werden muss.

So muss unser Arbeitsumfeld schon lange nicht mehr aussehen. Natürlich handelt es sich bei unserem Arbeitsplatz um einen Ort, an dem die Produktivität im Mittelpunkt steht. Aber innovative Ansätze wie das Biophilic Design sind dabei, unser Arbeiten und unsere Einstellung zum Arbeitsplatz positiv zu verändern und den Gegensatz von Wohlbefinden und Produktivität aufzulösen.

Die Idee dahinter: Symbiose von Mensch und Natur

Der Mensch ist gesundheitlich und emotional von der Natur abhängig. Daran ändern auch mehrere tausend Jahre Kulturgeschichte herzlich wenig. Biophilie – die Liebe zum Leben – ist damit also nicht nur rein instinktiv, sondern fördert auch das Wohlbefinden.

Die Idee des Biophilic Design setzt in Zeiten der Reurbanisierung, des technologischen Wandels und der damit einhergehenden Entfremdung von Mensch und Umwelt genau hier an. Die Integration der Natur in die städtischen Lebens- und Arbeitsräume soll der Künstlichkeit eines menschengeschaffenen Umfelds entgegengesetzt werden.

Konkreter bedeutet dies, fehlende (Tages-)lichtquellen, ungemütliche Schreibtischverhältnisse, Lärmbelästigung und mangelnde Privatsphäre zu eliminieren. Die Natur, ihre Texturen, Gerüche, Farben und Geräusche können dabei auffällig oder subtil eingesetzt werden. Fließende Formen, natürliche Farbakzente und abwechslungsreiche Blickfelder stimulieren das Gehirn, ermüden aber gleichzeitig weniger als der Blick auf eine weiße Bürowand.

Was mit vereinzelten Blumentöpfen anfängt, kann in begrünten Wänden und Holzverkleidungen, großen Fensterfronten und abwechslungsreichen Sitz- und Stehmöglichkeiten enden. Das Arbeitsumfeld wird zu einem ‚Spielplatz‘ für Erwachsene, auf dem sie sich produktiv mit ihrer Kreativität austoben können. Unweigerlich wird eine Umgebung geschaffen, die alle glücklicher macht und Wertschätzung für die geleistete Arbeit ausstrahlt, Kreativität und Produktivität ermöglicht und antreibt.

Mit Biophilie zu mehr unternehmerischem Erfolg

Hauptziel der architektonischen Umstrukturierung ist es dabei nicht, Arbeitnehmer an den Schreibtisch zu binden und mehr Präsenzzeiten zu erreichen, sondern Bewegung und Interaktion im Büro zu ermöglichen. Momentan ist wohl der üblichste Treffpunkt der Raum, zu dessen Inventar die betriebseigene Kaffeemaschine zählt. Doch was spricht dagegen, den Arbeitnehmern und Kollegen noch mehr Rückzugs- und Austauschorte in einem entspannten Umfeld bereitzustellen? In diesem können Ideen, Visionen und Hilfen ausgetauscht werden, ohne dass das Wohlbefinden zu kurz kommt und die berufliche Erwartungshaltung über allem steht. Mein Fazit: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Prinzipien des Biophilic Design mit dem Ansatz „Space as a Service“ verknüpft werden. Vor allem für Coworking-Anbieter kann ein „biophiles“ Flächenangebot zum wichtigen Alleinstellungsmerkmal werden. Aber auch bereits der Immobilienentwickler kann bei der Erstellung eines Flächenkonzepts wichtige Akzente setzen – beispielsweise, wenn es um die Größe und den Lichteinfall der Fenster geht. Oder einfach darum, ausreichend große und abwechslungsreiche Flächen zu entwickeln, die eine offene Kommunikation ermöglichen.