„Airport Cities“ – Revitalisierungs- statt Hochglanzprojekte?

Arbeiten im intelligenten Homeoffice
18. Dezember 2020

„Airport Cities“ – Revitalisierungs- statt Hochglanzprojekte?

glass curtain wall and aircraft against a blue sky

Foto: hxdyl | ClipDealer

Wer in den vergangenen Monaten zum Himmel geschaut hat, wird nur wenige Flugzeuge entdeckt haben. Die Pandemie hat den Flugverkehr weltweit eingeschränkt. Trotzdem schießen sogenannte Airport Cities aus dem Boden – auch in Deutschland. Aber wieso ist das so?

Die Antwort auf neue Technologien

Airport Cities, also Areale mit überwiegender Gewerbenutzung in Flughafennähe, machen auch vor vielen deutschen Städten keinen Halt. Rund um den Flughafen in Frankfurt am Main ist ein „Global Business Village“ auf einem 35 Hektar großen Areal entstanden. Die „Frankfurter Getaway Gardens“ sind eine der größten Airport Cities Europas. Und auch in München, Stuttgart sowie Berlin ist das Phänomen der Airport City zu beobachten. Auf dem umliegenden Gelände des neuen Hauptstadtflughafens BER entstand sogar eine Airport City auf circa 6,5 Hektar Nettobauland, bevor jemals ein Flugzeug auf der Startbahn abgehoben ist.

Kurze Wege in die Stadt

Die zunehmende Bedeutung der Airport Cities und deren Relevanz haben Investoren und Projektentwickler durchaus erkannt. Flughäfen gelten seit jeher als Drehkreuz zwischen der Innenstadt und der Welt. Die Produkte von Unternehmen, die sich im Umfeld von Flughäfen angesiedelt haben, haben einerseits einen kurzen Weg zum Endverbraucher in die Stadt und gelangen andererseits schnell per Flugzeug in andere Länder.

Durch die Herausbildung neuer Technologien und die fortscheitende Globalisierung werden Flughäfen zu immer wichtigeren Immobilienstandorten, auch im Hinblick auf die Kernstädte. Die zunehmende Digitalisierung von Geschäftsprozessen bringt beispielsweise einen immer größer werdenden Online-Handel und den Wunsch der Endkunden nach individuell konfigurierten Produktvariationen mit sich. Aber auch der Vormarsch der Industrie 4.0 bietet neue Möglichkeiten und Technologien wie beispielsweise die Vor-Ort-Fertigungen mithilfe des 3D-Drucks. Online bestellte Produkte können so vor Ort gefertigt und von dort aus in die städtischen Ballungsräume geliefert werden. Airport Cities bieten dabei beides: ausreichend Produktions- und Logistikfläche sowie vielfältige Liefer- und Versandmöglichkeiten nach nah und fern.

Potenziale von Altbaurevitalisierungen

Airport Cities erfreuen sich daher nicht grundlos großer Beliebtheit. Sie werden immer größer, moderner und multifunktionaler. Kein Wunder also, dass sie bereits im Prozess der Planung schnell vermietet und der Standort für Unternehmen sehr kostspielig ist.

Dass sich Städte rund um die Flughäfen entwickelt haben ist kein neues Phänomen: Schon früher waren die umliegenden Gebiete aufgrund günstiger Mieten und der Nähe zum Flugverkehr beliebt. Heruntergekommene und teilweise leer stehende Bauten, die an die heutigen modernen Airport Cities angrenzen, wirken auf den ersten Blick nicht sonderlich ansprechend. Aber eben auch nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick bieten diese Immobilien sehr große Potenziale, sofern sie marktgerecht revitalisiert und modernisiert werden.

Vor allem aber handelt es sich um eine kostengünstige Alternative für die Unternehmen, die zwar in Stadtnähe sein wollen, jedoch die Innenstadtpreise nicht zahlen möchten oder können. Auch für die sogenannten Backoffices der flughafenaffinen Unternehmen, für die zwar eine geringe Entfernung, aber keine unmittelbare Nähe zum Flughafen notwendig ist, bieten die umliegenden Immobilien eine gute Möglichkeit für einen preiswerteren Standort. Mein Fazit: Investoren und Produktentwickler sollten nicht nur die zunächst ansprechenden und kostspieligen Prime-Objekte, sondern auch die schon vorhandenen Immobilien in Betracht ziehen. Das Potenzial bereits bestehender Ressourcen sollte nicht verkannt werden. Stattdessen eignet sich eine Revitalisierung, indem Altbauten saniert und neu genutzt werden.